Buntes Leben stiften

sinnvoll Leben im Alter

Förderschwerpunkt 2021:

Queer im Altenheim

Bestehende Umfragen zeigen eine eindeutige Tendenz: Über 80% der befragten queeren Menschen sind überzeugt, dass es ihnen in stationären Einrichtungen der Altenhilfe nicht gut gehen wird: Heime seien nicht auf die Biografien und Lebensweisen von der Mehrheit abweichender Menschen anderer sexueller oder geschlechtlicher Identitäten eingestellt. Es wird eine massive Diskriminierung erwartet. So ist zumindest die Sicht von außen.

Es gibt wenige Befragungen realer Nutzer*innen wie auch von Pflegenden aus Einrichtungen der Altenhilfe. Die aktuellste und derzeit größte Studie von Gerlach und Schupp (2017) zeigt ein etwas differenzierteres Bild. Je nach Ausrichtung von Einrichtungen gibt es durchaus eine große Zufriedenheit der befragten Pflegebedürftigen. Jedoch zeigt sie auch, o. g. Ängste sind nicht unbegründet. Ebenso wird eine Unsicherheit Pflegender deutlich, denen bisher in der Aus-, Fort- und Weiterbildung der Altenpflege diese Themen nicht begegneten. Es wird ein großer Schulungsbedarf formuliert, auch um solchen Ängsten vor Diskriminierungen entgegenwirken zu können.   

Glücklicherweise hat sich in den vergangenen Jahren einiges geändert. Es wurden lebensweltenakzeptierende Pflegekonzeptionen erarbeitet; in der Ausbildung wird über den Umgang mit sexuellen und geschlechtlichen Minderheitsgruppen gesprochen und die Bundesregierung fördert ein Modellprojekt.  Nicht nur in den queeren Metropolen haben sich zertifizierte Altenheime speziell für diese Gruppen geöffnet.

Mit der gesellschaftlichen Liberalisierung der vergangene Jahrzehnte einher geht die Zunahme der offen lebenden Menschen, womit sich auch ihre Sichtbarkeit in der Gesellschaft erhöht. Diese Menschen haben nicht das Bedürfnis auch in der Abhängigkeitssituation einer Pflegebedürftigkeit  weitere ihre Identität zu leben, sie möchten vielmehr aktiv darin unterstützt werden. Ebenso wie alle anderen Menschen auch, haben sie das Bedürfnis in der Pflege in ihrer Identität bestärkt zu werden.

Als Buntes Leben Stiften möchten wir diese Entwicklung im Südwesten Deutschlands befördern, indem wir sog. queerfriendly Einrichtungen der Altenhilfe in ihrer Arbeit unterstützen. Es ist unser Anliegen diese Einrichtungen mit einem Zeichen von bleibendem Wert auszustatten, welches für Angehörige sexueller und geschlechtlicher Minderheiten einen unverkennbaren Ausdruck des „Willkommens“ darstellt: Altenheime queerfriendly!

(Hilfestellung zum Umgang mit der Thematik in der Aus-, Fort- und Weiterbildung in Rheinland Pfalz bieten die Fortbildungsmodule des Queernet RLP: https://www.queernet-rlp.de/wp-content/uploads/Flyer_Familienvielfalt_Fortbildung_2019.pdf)



Themen der Vorjahre:

Jahr 2020: „Gemeinschaftliches Wohnen - eine Perspektive für LGBTI* im Alter

Die Kreise die ein älterer Mensch zieht, werden immer enger, bis oft nur noch die eigene Wohnung bleibt. Durch den Tod des Partners/der Partnerin und/oder naher Freund*innen kann schleichend oder auch plötzlich ein ungewollter Zustand des Alleinseins entstehen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) sieht gerade dieses Alleinsein als zentrale Herausforderung im Alter.

Gemeinschaftliche Wohnformen können helfen, dieser ungewollten Begleiterscheinung des Alters zu begegnen. Durch gute Nachbarschaft und soziale Nähe birgt eine solche Wohnform viele weitere Vorteile des gegenseitigen aufeinander Achtens und auch Kümmerns. Und auch rein ökonomisch können Gemeinschaften des Wohnens Vorteile
bringen, da alltägliche Kosten miteinander geteilt werden können.

Mit Videokonferenzen möchten wir diese Idee des Wohnens im Alter vorstellen. Referent*innen werden sein:

  • Berit Herger vom Referat „Neues Wohnen“der Zentrale für Gesundheitsförderung des Landes Rheinland-Pfalz

  • Dr. Markus Schupp, Sozialwissenschaftler und promoviert in der Pflegewissenschaft, zugleich
    Mitglied im Stiftungsrat von „Buntes Leben Stiften“


Veranstaltungen


LGBT* und sorgende Gemeinschaften im Alter

Datum:27.09.2019
19:00

Referent Dr. Markus Schupp
Wie soll und kann die politische und gesellschaftliche Teilhabe älterer LGBTIQ gestaltet werden und welchen Beitrag können diese Gruppen hierzu leisten? Dabei geht es im Kern um die Gestaltung der „sorgenden Gemeinschaft“, die im 7. Altenbericht der Bundesregierung als ein Pfeiler der gesellschaftlichen Teilhabe genannt wird.



Zurück zur Übersicht